Wildbienen

Wildbienen? Honigbienen? Ist das nicht das Gleiche?

Nein! Die Honigbiene ist nur eine Bienenart, die zugegeben sehr verbreitet ist. Sie ist aber bei weitem nicht die einzige Art. In Österreich finden sich außergewöhnlich viele – nämlich an die 700 Wildbienenarten! Dabei sind sie erstaunlich unterschiedlich. So summen die Wildbienen durch ganz Österreich und sind dabei doch wenig bekannt.

  • Wie groß ist denn so eine Wildbiene? Ganz schön groß bis winzig klein: Die kleine Steppenbiene mit weniger als 5 mm Länge sieht einer ca. 3 cm großen Holzbiene nicht sonderlich ähnlich.
  • Welche Pflanzen fliegen Wildbienen an? Wildbienen sind je nach Art hochspezialisierte oder universelle Futterverwerter. Ob sie eine bestimmte Pflanze bevorzugen oder verschiedene Blüten anfliegen, hängt ganz von ihrer Art ab und ob ihre Brut den eingetragenen Pollen gut verwerten kann.
  • Wo und wie nisten Wildbienen? Wo Wildbienen ihr Nest bauen, hängt ebenso von der Unterart ab: die Hälfte der Wildbienen nistet im Boden, eine Viertel oberirdisch, z.B. in Totholz oder in hohlen Stängeln und ein weiteres Viertel – die Kuckucksbienen – bevorzugt die Nester anderer Insekten.
  • Leben Wildbienen allein oder in Gruppen? Auch hier lautet die Antwort: es kommt auf die Art an. Im Gegensatz zu Honigbienen überwintern Wildbienen allein. Nur die begattete Königin überlebt den Winter und baut im Frühling ein Nest. Manche Arten z.B. Hummeln bauen sich ein ganzes Nest und lagern sogar kleine Mengen Honig ein. Die Mauerbiene zum Beispiel legt Eier und Pollen in längliche Hohlräume – jedes Ei bekommt auch hier eine eigene Brutzelle. Die Brut bleibt danach sich selbst überlassen.

Wieso sind Wildbienen wichtig?

Wildbienen leisten einen wichtigen Beitrag zur flächendeckenden Bestäubung. Einige von ihnen sind auf einzelne Pflanzen spezialisiert und brüten genau zur Blütezeit dieser Pflanzen. Die Heidekraut-Seidenbiene zum Beispiel lebt in perfekter Symbiose mit Heidekrautgewächsen und ist auf diese Landschaften angewiesen.

Manche Pflanzen werden hauptsächlich von Wildbienen bestäubt. Paradeiser oder Luzerne werden vor allem von Hummeln bestäubt. Warum das? Die Pollen von Paradeisern sitzen sehr fest in der Blüte und müssen heraus geschüttelt werden. Hummeln erzeugen mit ihren kräftigen Flügeln Vibrationen und lösen so den Pollen. In ihrem dichten Pelz transportieren Hummeln besonders viel Pollen und sorgen so für einen guten Fruchtansatz und reiche Ernte.

Wildbienen haben aufgrund ihrer Diversität unterschiedliche Entwicklungshöhepunkte. Sie fliegen daher auch zu anderen Zeiten als Honigbienen. Die pelzigen kräftigen Hummeln fliegen bereits bei Temperaturen um die 3 Grad, aber auch die Sandbienen sind ab Ende Februar unterwegs. Als solitär überwinternde Bienen müssen die Königinnen rasch ihre Energievorräte aufstocken, um ihr Brutnest zu bauen. Andere Wildbienen haben ihre Hochphase später im Jahr, wenn die Honigbienen sich bereits wieder auf den Winter vorbereiten. Die Heidenkraut-Seidenbiene legt ihre intensive Brutphase in die Blütezeit der Heiden, also erst in den August.


Was können Sie tun?

Wie ein Gartenparadies aus der Sicht der Wildbienen aussieht, erklärt die „Umweltberatung“ im Artikel „Wildbienen im Garten fördern“ oder im Flyer „Bienen und andere Nützlinge fördern„.

Welche Nisthilfen brauchen Wildbienen? Wussten Sie, dass die handelsüblichen „Bienen-Hotels“, die in vielen Gärten hängen, leider nur wenigen Wildbienen-Arten helfen? Der Schweizer Naturgarten-Experte Dani Pelagatti zeigt in diesem 3sat-Video, wie man mit ganz einfachen Mitteln vielen dieser Wildbienen ein Zuhause anbieten kann und zwar auf kleinster Fläche.
  • Wilde Ecken zulassen. Bodennistende Wildbienen brauchen lockere Sand- oder Erdböschungen. Überirdisch nistende Bienen fühlen sich in Totholz wohl. Ein Stapel aus Ästen, die nicht bewegt werden, bietet vielen Lebewesen Unterschlupf.
  • Weniger mähen. Lassen Sie den Mähroboter im Schuppen stehen. Je öfter Rasen gemäht wird, umso wertloser ist er vom ökologischen Standpunkt. Für Wildbienen und andere Insekten wertvolle Wildblumen breiten sich am besten aus, wenn Wiesen nur 1-2 Mal im Jahr gemäht werden. Wenn Sie neu eine Wildblumenwiese anlegen möchten, finden Sie auf naturverbindet.at eine tolle Anleitung.
  • Beim Pflanzenkauf an Wildbienen denken. Achten Sie beim Pflanzenkauf darauf, dass die Pflanzen regional heimisch sind, dem Standort angepasst und robust sind. Hochgezüchtete Pflanzen produzieren teilweise keinen Pollen mehr oder haben zu komplexe Blüten, die von vielen Insekten nicht genutzt werden können. Halten Sie es simpel: heimische Obstgehölze, Gemüsesorten oder ein natürlicher Kräutergarten bieten reichlich Nahrung für Wildbienen und andere Nützlinge. Wenn es doch eine exotischere Art sein soll, achten Sie darauf, dass sie blühende Arten wählen, die Nektar und Pollen bieten.
  • Keine Pestizide, sondern natürliche Jauchen zur Bekämpfung von Schädlingen verwenden. Für Wildbienen sind Pestizide ebenso schädlich wie für Honigbienen. Insekten können ihren Orientierungssinn verlieren oder körperliche Schäden davon tragen, wenn sie bestimmte Substanzen aufnehmen. Es gibt zahlreiche Jauchen und Tees, die Ihre Pflanzen schützen und für Wildbienen sicher sind.
  • Wenn Sie selbst keinen Garten haben, können Sie Wildbienen unterstützen, indem Sie Obst und Gemüse regional, biologisch und saisonal einkaufen. Ja, auch das hilft, denn wenn wir verantwortungsvolle Bio-Bauern unterstützen, helfen wir mit, Wildbienen zu unterstützen.
  • Insektenhotels gibt es inzwischen in jedem Baumarkt zu kaufen. Allerdings sind diese nicht unbedingt gut gebaut. Die Umweltberatung hat eine tolle Anleitung zusammen gestellt, wie man Nisthilfen selbst baut. Achten Sie auch auf einen trockenen Standort und schützen Sie Ihre Insektenbrut vor Vögeln.

Selbstgebaute Nisthilfen für Wildbienen (Die Umweltberatung)



Was macht unser Verein?

Der Bienenzuchtverein Wien-West hält den Schutz der Wildbienen in seinen Statuten fest („Freiwillige Mitarbeit bei der Erhaltung der Bestände anderer Bestäubungsinsekten wie z.B. Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge etc.“). Der Bienenzuchtverein Wien-West will die Wildbienen mit dem Wildbienenprojekt auch im Rahmen der Vereinstätigkeit fördern.

Die Wildbienengruppe beschäftigt sich intensiv mit dem Schutz von Wildbienen. Die Mitglieder der Gruppe sammeln Studien und Informationsmaterial zum Thema, bereiten dieses auf. Vereinsintern sind Informationsabende geplant. Wir pflegen auch den Austausch mit allen Interessierten. Wenn Sie mehr erfahren wollen, kontaktieren Sie uns.

Wir planen den Lehrbienenstand des Vereins in der Amundsenstraße auch für Wildbienen attraktiver zu gestalten. Für Ideen sind wir immer offen. Weitere Informationen hierzu folgen.

Für Vereinsmitglieder koordinieren wir die Teilnahme an Wildbienen-Exkursionen. Hierbei führen Wildbienen-Experten durch die Natur und bringen den Teilnehmern die unglaubliche Vielfalt der Wildbienen näher. Sie erklären außerdem, wie jeder Einzelne zum Schutz dieser wichtigen Bestäuber beitragen kann.


Wildbienenportraits

Die Vielfalt der Wildbienen ist beeindruckend. Sie wollen etwas genauer wissen, welche Biene Sie vor sich haben? Probieren Sie den Wildbienen-Finder aus. Die Seite orientiert sich zwar an den deutschen Wildbienen, die Populationen decken sich aber großteils.


Weiterführende Informationen

Der Wildbienenrat bietet umfassende Praxistipps, die jeder selbst umsetzen kann und veranstaltet regelmäßig Praxistage in ganz Österreich.

Wir für die Bienen ist eine Kampagne der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich. Die Website bietet umfassende Informationen zum Schutz von Wildbienen, div. Interviews, Steckbriefe von Wildbienen etc.

Unter Wildbienen.info finden sich reichlich Informationen zu den verschiedenen Wildbienenarten und -unterarten.

Buchtipps:Heinz Wiesbauer: Wilde Bienen
Paul Westrich: Wildbienen – Die anderen Bienen
Arthur Schnitzer: Gärtnern ohne Gift
(Pflanzenschutz mit natürlichen Jauchen, Tees usw.)

Podcast Episode der Bienengespräche über Wildbienen. Wie komplex die Welt der Wildbienen ist, geht aus dem Gespräch zwischen Lothar Bodingbauer und Gerald Hölzler vom Wildbienenrat hervor.

Instagram Account des Wildbienenflüsterers. Biologe Christopher Bause veröffentlicht wunderbare Makroaufnahmen der wilden Cousins unserer Honigbiene.


Sie wollen mehr erfahren? Wollen selbst aktiv werden?

Großartig! Bitte kontaktieren Sie Christina von der Wildbienengruppe.